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Aserbaidschan - Georgien - Armenien

1. Tag: Für uns geht es in den Südkaukasus oder auch Transkaukasus, der politisch aus den 3 Ländern Aserbaidschan, Georgien und Armenien besteht. Geografisch gehört übrigens der Südkaukasus zu Vorderasien, auch wenn Georgien streng genommen zu Eurasien zählt. Wie ihr sicher wisst, gibt es im Kaukasus bis heute keinen eindeutigen Grenzverlauf zwischen Europa und Asien. Und nur am Rande... damit ist es auch nicht eindeutig, wo der höchste Berg Europas steht: Mont Blanc in den Alpen oder Elbrus im Kaukasus. Soviel zum Angeberwissen. Jedenfalls sind wir sehr gespannt auf diese Länderkombination mit Start in Aserbaidschan, wo wir mitten in der Nacht in Baku aus dem Flieger steigen.  

2. Tag: Heute erwartet uns Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans. Zuerst geht es zur Aussichtsterrasse des Upland-Parks mit einem schönen Überblick auf die Bucht. Der Besuch des Geschichtsmuseum zeigt einen guten Einstieg in die Geschichte der ehemaligen Sowjetrepublik und zudem ziemlich ausgefallene Exponate. Am Nachmittag bummeln wir durch die Gassen der beeindruckenden historischen Altstadt Itscheri Schecher u.a. mit dem Palast der Khane von Schirwan, dem berühmten Jungfrauenturm. Nachdem wir auch mit dem Auto einige Ecken der Stadt gesehen haben, muss man sagen, Baku ist eine unfassbar schöne und saubere Stadt. 

3. Tag: Für die nächsten 3 Tage steht ein besonderer Höhepunkt auf dem Programm. Es geht per Flug in die Autonome Republik Nachitschewan. Nach der Ankunft geht es direkt an die iranische Grenze zur Besichtigung des Mausoleums von Gulistan, ein Meisterwerk der damaligen Architektur. Im Anschluss gibt es einen kurzen Zwischenstopp an den Geothermalquellen von Daridagh, die mit einem weltweit seltenem mineralischen Wassermix für Heilzwecke genutzt werden. Es geht weiter nach Ordubad, was historisch ein bedeutender regionaler Knotenpunkt und eine wichtige Handelsstation an den Abzweigungen der alten Seidenstraße war. Die letzte Besichtigung des Tages gilt der Ashuba-Khaf-Höhle. Angeblich entstammt hier die Legende von den Sieben Schläfern. In ihr wird beschrieben, wie sieben junge Männer auf der Flucht vor einer Glaubensverfolgung Schutz in einer Höhle suchten und dort, von Gott behütet, in einen mehrere Jahrhunderte andauernden Schlaf verfielen.​

4. Tag: Für heute steht ein historisch ganz besonderer Höhepunkt auf dem Programm. Wir besuchen das Grab des Propheten Noah. Der Bibel nach (Buch Genesis) ist Noah hier mit der Arche am Berg Ararat gelandet. In der Übersetzung bedeutet übrigens Nachitschewan („Nakh-chuan“) soviel wie Ort der Landung. Ein paar mehr Details und spannende Fakten gibt es gleich in der Wissensecke. Danach geht es dann Schlag auf Schlag: zunächst zur sehenswerten Heydar-Moschee, zur Festung Nachitschewan-Qala zum sehr schönen Momina-Khatun-Mausoleums und zum Haus des Khans. Außerhalb der Stadt besichtigen wir das Karabaglar Mausoleum, was kunstgeschichtlich als wegweisende Vorläufer und Inspiration für die spätere monumentale Architektur der Timuriden in Samarkand gilt. Zum Abschluss besuchen wir in Duzdag, eine der ältesten Salzminen der Welt, in der heute ein Klinik untergebracht ist. Immer noch beeindruckt von der "Begegnung mit Noah" endet ein ereignisreicher Tag.​

In der Wissensecke gibt es natürlich zuerst die Erklärung, warum Noah wohl zur wichtigsten Person der Menschheitsgeschichte zählt. Zum einen, weil Noah ein religionenübergreifender Menschenretter war und zum anderen, weil alle heute lebenden Menschen von Noahs drei Söhnen und deren Frauen abstammen und zwar gemäß wortwörtlicher Auslegung von Bibel, Tora und Koran. Damit ist Noah nach Adam der zweite Stammesvater der Menschheit. Warum ist das so: Noah erhielt der göttlichen Auftrag zum Bau einer Arche, um die Tierwelt (Landtiere und Vögel) und seine eigene Familie vor der Sintflut zu retten. Diese Arche Noah ist eng mit der faszinierenden Legende des Berges Ilandag verbunden. Das schwere Schiff (140 x 23 x 14 Meter) soll dabei den Ilandag hier in Nachitschewan gerammt und gespalten haben (siehe Foto), bevor es endgültig nach 150 Tagen im nahen Gamigaya-Gebiet aufsetzte (in der Bibel wird der Ararat erwähnt). Und wenn man so vor diesem markanten Berg steht, ist er mit der markanten Spitze ein tolles Symbol eines großartigen theologischen Mythos.

5. Tag: Heute kommt noch ein absoluter Knaller. Wir besichtigen Alinja Gala, das Machu Picchu Aserbaidschans und des Kaukasus. Wie die geheimnisvolle Stadt der Inka liegt die aserbaidschanische Festung Alinja an einem Berghang und erhebt sich stufenförmig nach oben. Wenn man die etwa 1600 Stufen zur Festung geschafft hat, erlebt man die Bergfestung in voller Pracht und hat zudem einen grandiosen Ausblick  (u.a. auf den von der Arche Noah gespaltenen Berg Ilandag). Alinja ist übrigens 1000 Jahre älter als das Machu Picchu in Peru. Unter persischer und arabischer Herrschaft ausgebaut, galt die Festung als uneinnehmbar. Legendär wurde Alinja, da selbst der turko-mongolische Heerführer Timur unfassbare 14 Jahre! für die Erstürmung brauchte. Da nach Nachitschewan sehr wenige Touristen (weniger als 100 Deutsche pro Jahr) kommen, sind wir ganz alleine in dieser beeindruckenden Anlage... es ist faszinierend und einfach wunderschön. Ein traumhafter Abschluss unserer Tour in Nachitschewan machen wir mit Tee und frischem Bienenhonig in Batabat, auf einem nahezu unbewohnten Plateau in der Region Shahbuz mit Wäldern, Bergen sowie Seen mit schwimmenden Inseln. Die 3 Tage hier haben unvergessliche Erinnerungen bereitet und mit Wehmut geht es morgen zurück nach Baku.​

6. Tag: Nach der wunderbaren Stippvisite in der Exklave geht es in Baku weiter. Im Mittelalter war Baku von Festungsanlagen und Beobachtungstürmen umgeben. In den Vororten der Hauptstadt können wir noch einige davon finden und auf einen Turm steigen wir halsbrecherisch durch den maroden Turm nach oben. Im Anschluss fahren wir auf die Halbinsel Absheron. Ganz bekannt sind dort Gebiete wo Erdgas an die Oberfläche tritt und seit Ewigkeiten lodert. Dies führte dazu, dass zahlreiche Feueranbeter von diesem Platz angelockt wurden. Ein wichtiger Tempel der Feueranbeter war Ateshgah, der Hort des Feuers. Dieser wurde von Hindupilgern im 18. Jahrhundert erbaut. Im Programm ist zudem der flammende Berg Yanardag, wo ,man sich den Besuch eher sparen kann, im wahrsten Sinne des Wortes. ​

7. Tag: Unser heutiger Tagesausflug von Baku geht nach Guba. Der Norden von Aserbaidschan ist einer der malerischsten Orte, reich an Wäldern, Wasserfällen und Bergdörfern. Unterwegs unbedingt einen Abstecher in die vielfarbigen Berge von Khizi machen. Ein sehr fotogenes Naturwunder des Landes. Angekommen in Guba können wir die jüdische Gemeinde besuchen mit tollem Aussichtspunkt auf den Großen Kaukasus, Außerdem ist von Außen das Hammam von Tschuchur zu besichtigen, das angeblich der Kaukasus-Reisende Alexander Dumas besuchte und in seinen Memoiren "Impressionen aus Kaukasien" beschrieb. Der Ort ist auch berühmt für seine handgewebten Teppiche.​

8. Tag: Nach dem Frühstück fahren wir diesmal von Baku aus Richtung Süden zu den Gobustan Schlammvulkanen, einem Naturphänomen, das fast die Hälfte aller weltweit vorkommenden Schlammvulkane in Aserbaidschan vereint. Hier findet man eine bizarr wirkende Landschaft vor. Danach besichtigen wir das Gobustan-Reservat, ein archäologisches Freilichtmuseum mit Petroglyphen und Felsmalereien aus der Jungsteinzeit. Sie zeigen Szenen aus dem Alltag der frühen Bevölkerung: Reisen in Schilfbooten, Jagd auf Antilopen und wilde Stiere, rituelle Tänze und vieles mehr. Auf dem Rückweg nach Baku springen wir in der Nähe der Waterfront Mall aus dem Auto, schlendern am Wasser den schönen Boulevard entlang, machen den obligatorischen Aufstieg auf den Jungfrauenturm und lassen den Abend in der Altstadt ausklingen. Nach den 3 Tagen in Baku müsssen wir sagen, Baku ist eine wirkliche Traumstadt, eine sehr schöne Altstadt, tolles Flair, sehenswerte Architektur und alles sehr sauber. Jetzt freuen wir uns auf die Region Sheki im Kauskasus.​

9. Tag: Heute geht es in die Bergwelt des Ostkaukasus nach Sheki. Auf dem Weg dorthin besuchen wir unterwegs das Dorf Maraza mit dem sich das Diribaba-Mausoleum, dass teilweise in einen riesigen Felsen hineingebaut wurde. In Shamakhi machen wir noch einen kurzen Stopp an der Juma-Moschee, eine der ersten im Kaukasus überhaupt. Bevor wir Sheki erreichen, besuchen wir eine alte albanische Kirche im Dorf Nij, der besonderen christlichen Gemeinde der Udiner, die ihre Sprache und Traditionen über Jahrhunderte bewahrt haben. Wir erreichen am Abend Sheki, eine der schönsten Städte Aserbaidschans und erleben gleich einen Höhepunkt vor Ort, den Khanspalast. Die Ausstattung der Räume ist atemberaubend.  Leider ist Innen das Fotografieren verboten.​

10. Tag: Abfahrt in die Region Gakh. Auf dem Weg dorthin gibt es einen kurzen Besuch in der Kirche von Kisch (spirituelles Denkmal der Kaukasischen Albaner) und einen Fotostopp an der  Kirche Kurmuk, die hoch oben auf einer Klippe gelegen ist. Übrigens leben in Gakh noch ethnische Minderheiten, wie Ingiloy und Tsakhur. Im Dörfchen Ilisu  genießen wir Bergwelt um die Festung Sumuh gala. Es handelt sich um ein dreistöckiges Gebäude, ein Beispiel für Verteidigungstürme aus dem 17. Jahrhundert, als Ilisu ein unabhängiges Sultanat war und sich hauptsächlich gegen Bergvölker aus Dagestan wehren musste. Wieder aktiviert wurden die Türme dann im Rahmen der Kaukasuskriege 1817-1864 (Russiches Kaiserreich) und 2008 (Goergienkrieg um Südossetien und Abchasien). Die berühmte Ulu-Brücke aus dem 18. Jahrhundert ist in dieser Gegend ebenfalls ein Besuch wert. Abenteuerlich ist dann der Umstieg in ganz alte russische Geländewagen mit Fahrt zu einem Wasserfall sowie im Dorf Lekit zu den herrlichen Ruinen eines alten albanischen Tempelkomplexes "Sieben Kirchen". Ähnlich wie in Angkor haben sich hier Schwarzfeigen in den Fugen der Tempel ausgebreitet, die wir mit gekonnten Steinwürfen "ernten"... lustig und köstlich. 

11. Tag: Wir machen uns auf nach Georgien. An der Grenze von Lagodekhi treffen unsere neue Reiseleitung und erreichen die Region Kachetien, das bekannteste Weinanbaugebiet Georgiens. Sie liegt überaus idyllisch im Tal des Alasani und wird von hohen Gipfeln des Kaukasus flankiert. In dieser großartigen Landschaft zieht es uns natürlich zuerst in ein Weingut, so dass wir genussvoll im unserem zweiten Land der Rundreise ankommen können. Unsere Reiseleitung ist zwar etwas irritiert von unserem Weindurst um die Mittagszeit, aber wir sind halt in Kachetien. Danach kommen wir auf einsamen Landstraßen und schier endlosen Walnussbaumalleen so langsam dem ersten Besichtigungspunkt näher, einem Schmuckstück sakraler Baukunst: die Kathedrale von Alawerdi aus dem 11. Jahrhundert. Der größte Kirchenbau der Provinz ist schon von weithin zu erblicken. Umgeben von Weinfeldern ist der Besuch der Klosteranlagen ein Muss. Am Abend erreichen wir Telavi und lassen den Tag bei gutem Essen und dem bekannten georgischen Rotwein Saperavi ausklingen.

12. Tag: Am Vormittag besuchen wir ein besonderes familiengeführtes Weingut. Diese privaten Winzer produzieren überschaubare Mengen an Wein aus dem Kvevri, einer großen Amphore aus Ton. Der Winzer ist einer der wenigen Männer, die noch in Handarbeit die bis zu 10.000 Liter fassende Amphoren herstellen können. Anschließend fahren wir auf der legendären Georgischen Heerstraße weiter gen Norden in die Provinzen Mtiuleti und Khevi. Diese historische Straße ist der ehemalige Karawanenweg und die zugleich militärisch bedeutsame Verbindung durch den Kaukasus zum Orient. Bevor wir unsere Ziel Kasbegi erreichen, machen wir noch einen großartigen Fotostopp am Komplex der Wehrkirche Ananuri. Auf einer Anhöhe, umgeben von der idyllischen Bergwelt bietet sich ein überwältigender Blick, der zusammen mit dem Stausee für ganz besondere Fotomotive sorgt. Später erreichen wir das Bergstädtchen Kasbegi (offizielle Bezeichnung Stepantsminda) inmitten der atemberaubenden Bergkulisse des Kaukasus.

13. Tag: In Kasbegi ist die die wunderschöne Wanderung hinauf zur Dreifaltigkeitskirche von Gergeti "Zminda Zameba" ein Muss. Der Wanderweg inmitten des Kaukasus ist der Traum schlechthin mit regelmäßigem Blick auf den Prometheusberg Kasbek (5047 m) und beeindruckenden Panoramas. Für das Angeberwissen sei auf die griechische Mythologie verwiesen, die überliefert, dass hier am Berg Prometheus zur Strafe angekettet wurde, weil er von den Göttern das Feuer zu den Menschen brachte. In der Kirchenanlage, dem schönsten Wahrzeichen Georgiens, genießen wir dann einfach die Zeit in der Bergwelt. Zurück in unserem Gästehaus sind wir bei einer georgischen Familie eingeladen und bereiten gemeinsam das berühmte georgische Khachapuri (Brot mit Käsefüllung) zu. Es hat tatsächlich dann auch allen geschmeckt und bei einem Fläschchen Rotwein freuen wir uns über tolle Fotos und die Eindrücke des Tages.

14. Tag: Auf der Heerstraße geht es zurück nach Süden mit einer kurzen Stippvisite im Josef Stalin Museum in sein Geburtsort Gori. Wir sehen uns sein Geburtshaus und den berühmten Zug an, mit dem er gereist ist, da Stalin unter Flugangst litt. Mit dem gepanzerten Zug war er übrigens auch im Juli 1945 in Potsdam zur Potsdamer Konferenz. Auf eine Kommentierung dieses Programmpunkts möchten wir an dieser Stelle verzichten. Danach besuchen wir die sehr beeindruckende Höhlenstadt Uphlisziche aus dem 1. Jh. v. Chr., an der ein Zweig der legendären Seidenstraße vorbeiführte. Die altertümliche Stadtstruktur mit ihrem eigenwilligen Straßensystem, den Theatern und verschiedenen Palästen ist noch heute nach über 2.000 Jahren gut erkennbar. So langsam machen wir auf nach Tiflis mit einem obligatorischen Zwischenstopp in einem Weingut (wir sind in Georgien) und anschließend in Mzcheta, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Die dortige Kathedrale von Svetitskhoveli ist richtig sehenswert und außerdem sollte man den Blick vom Kloster Dschwari (Jvari) nicht versäumen. In Tiflis erleben wir dann ein ähnliches Verkehrschaos wie schon in Baku und den Künsten unseres Fahrers ist es zu verdanken, dass wir über Schleichwege noch in akzeptabler Zeit das Hotel erreichen. 

15. Tag: Nach dem Frühstück steht der heutige Tag im Zeichen der georgischen Hauptstadt Tiflis. Unweit des Hotels tauchen wir in die pittoreske Altstadt ein, die mit ihren engen Gassen, gemütlichen Cafés und Läden zum Verweilen einlädt. Einen ersten Stopp machen wir an der Sioni Kathedrale mit sehenswertem Innenraum.  Über den Tunnelmarkt Meidan Bazar geht es in das berühmte Bäderviertel. Die heilende Wirkung der warmen Quellen wird schon seit Jahrhunderten von den Bewohnern und Gästen genutzt und spiegelt sich auch im Stadtnamen wider, denn Tiflis bedeutet so viel wie "warme Quellen". Außerdem ist am Ende der Abano Straße auf dem Weg zum Leghvtakhevi Wasserfall ein fantastische Fotomotiv zum genießen. Im historischen Viertel befindet sich auch die Metechi-Kirche, eines der ältesten Denkmäler der Stadt, und ebenfalls ein toller Aussichtspunkt zum fotografieren. Dort in der Nähe gibt es das Kopala Restaurant mit sensationellem Ausblick von der Terrasse.  Nach dieser herrlichen Pause fahren wir per Seilbahn zur Festung Narikala (Stand 10/2026 geschlossen) und zur Statue "Mutter Georgiens". Auf jeden Fall dort hochfahren, da der Rundumblick auf die Stadt toll ist. Ein Wahrzeichen der Stadt ist die Anchiskhati Basilika, eines der ältesten Sakralgebäude Georgiens und natürlich der schiefe Uhrturm am berühmten Gabriadze Marionettentheater. Stündlich kommt dort ein kleines Engelchen aus der Pforte und um 12:00 sowie um 19:00 Uhr erfolgt die mechanische Marionettenaufführung zu georgischer Musik. Danach noch kurz zur fotogenen Friedensbrücke, zum Heiligen Georg auf dem Freiheitsplatz und zur monumentalen Sameba Kathedrale. Wenn dann die Füße nicht mehr so richtig wollen, den Abend unbedingt in einem der vielen Restaurants in der Erekle II St ausklingen lassen... tolle Atmosphäre. 

16. Tag: So langsam verabschieden wir uns von Georgien. Bis zur Grenze nach Armenien ist es von Tiflis nur eine gute Fahrstunde. Interessant ist, dass sich dann in Armenien das Landschaftsbild schlagartig ändert. Wir fahren hinein in die tiefe Schlucht des Debed. In einem der wenigen Waldgebiete Armeniens mit seinen unzugänglichen Dörfern verbergen sich bedeutendste Klöster und Bildungsstätten des Mittelalters. Wir folgen der "Klosterstraße" bis zum Akhtala Kloster mit teils gut erhaltenen Fresken. Anschließend erreichen wir auf einem Hochplateau das Kloster Haghpat, eines der bedeutendsten Kirchenanlagen des Landes. Unser Ziel für heute ist dann Gyumri, die zweitgrößte Stadt Armeniens. Übrigens sind Gyumri und die kleine Ortschaft Spitak am Aragats unmittelbar verbunden mit dem schrecklichen Erdbeben im Dezember 1988. Es starben unmittelbar 25.000 Menschen und über 1 Mio. wurde obdachlos. Zum ersten Mal gab es, trotz des Kalten Krieges, Hilfe aus dem Westen für die damalige Sowjetunion. 

17. Tag: Heute wird es ein ruhiger Tag auf der Rundreise, da wir das Programm umbauen. Am Vormittag besuchen wir die Marmorkirche Marmashen in einem malerischen Tal des Achurjan, eines Nebenflusses des Aras wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Zurück im Gjumri lassen wir uns einfach durch die Stadt treiben. Wir können ein paar interessante Innenhöfe entdecken, genießen die Atmosphäre im Cafe Florence (unbedingt hingehen) und besichtigen die markante Erlöserkirche am Freiheitsplatz. Außerdem kommen wir erstmals mit dem berühmten Ararat Cognac in Kontakt. Ganz spontan entscheiden wir uns für eine Probe des 20-jährigen! Brandy (nur in Frankreich darf man Cognac sagen). In unserer kleinen Reisegruppe sitzen wir in der Sonne und genießen ein Glas Ararat und dazu Aprikosenschokolade... es gibt genau diese wunderbaren Momente im Leben, die am liebsten nie zu Ende gehen mögen. Zum Abendessen sind wir in Armeniens berühmtesten Fischrestaurant zu Gast und essen Stör. 

18. Tag: Auch heute ist unser Reiseprogramm nicht zu intensiv. Nach dem Ausschlafen fahren wir zum Goschawank Kloster. Es ist in Armenien ein beliebtes Touristenziel und bekannt für die fein gearbeiteten Kreuzsteine. Mit Dilidschan erwartet uns dann die "Schweiz Armeniens", einer der schönsten Flecken des Landes. In den Bergen ist es mittleiweile so kalt, dass wir uns erstmal im Wohnzimmer des  Gasthauses bei der Oma mit Tee aufwärmen. Wir freuen uns nun auf die typisch armenische Gerichte, die von der Familie zubereitet werden. Unser Fahrer hat noch Aprikosenschnaps dabei, so dass unsere Lebensgeister nunmehr wieder vollständig am Start sind. Nachdem auch die Heizung in den Zimmern ein bisschen läuft, schaffen wir es ohne Schockzustände in die nicht mehr ganz so kalten Betten zu kommen.

19. Tag: Kurz vor Ende der Reise ist nochmal volles Programm mit langer Fahrt. Zunächst geht es zum Sewanwank Kloster am Sewansee. Das Kloster liegt toll und der größte See im gesamten Kaukasus ist übrigens der drittgrößte Gebirgssee der Welt auf einer Höhe von 1900 m. Entlang des Seeufers fahren wir weiter nach Martuni. Hinter Martuni in Richtung der Passhöhe von Selim auf 2500 m befinden wir uns plötzlich im kargen und menschenleeren Hochland inmitten großartiger Natur. Direkt unterhalb des Passes befindet sich die Selim-Karawanserei der ehemaligen Seidenstraße. Sie zählt zu den am besten erhaltenen antiken Rasthäusern der gesamten Seidenstraße. Dort auf jeden Fall anhalten, da regelmäßig ein armenisches Ehepaar Leckereien und Souvenirs anbietet. Von nun an geht es in Serpentinen hinab in die Weinregion Armeniens, nach Vayots Dzor. Wir besichtigen das in der engen und rot schimmernden Schlucht Amaghu gelegene Kloster Noravank... ein Traum. Jetzt sind wir wieder ganz nah Vielleicht zu Nachitschewan in der Araratebene, wo Noah einst nach seinem Abstieg vom Berge Ararat die erste Weinrebe gepflanzt haben soll. Der Kreis unserer Kaukasusreise scheint sich hier zu schließen. Am Kloster Chor Virap ist es vollbracht. Es gibt wohl in ganz Armenien kein Fotomotiv was öfter abgedruckt wird als dieses Kirchlein mit dem mächtigen Schneegipfel. Der Ararat mutet zum Greifen nah. Zudem ist an dem Nachmittag ein ganz besonderes Licht über dem Berg... was für ein Moment für die Ewigkeit! Hoffen wir, dass sich auch für die Armenier irgendwann wieder die Tore zu ihrem heiligen Berg öffnen werden. Von den Eindrücken des Tages überwältigt, erreichen wir am Abend Jerewan. 

20. Tag: Der ganze Tag ist für Jerewan eingeplant. Auf jeden Fall erstmal hinauf zu den Kaskaden, um von dort den besten Blick zum Ararat zu erhaschen. Wir sehen den Republikplatz, das Opernhaus und viele andere historische Gebäude. Unter dem Architekten Alexander Tamanjan erwachten alte Steinmetztraditionen und so wurde beispielweise der Platz der Republik zum Vorzeigefenster eines neuen, selbstbewussten Landes. Fast am Ende unseres Aufenthaltes in Armenien tauchen wir noch ein in ein dunkles Kapitel armenischer Geschichte. Wir besuchen die Genozid Gedenkstätte Zizernakaberd. Die Eindrücke müssen wir erstmal verarbeiten, so dass sich unsrer Besuch der großen Ararat Cognacfabrik verschiebt. Der wirklich letzte Punkt der Reise ist dann der Rundgang durch die Fabrik mit Verkostung und ein paar Einkäufen in Shop. Leider sind wir nicht so berühmt, wie manche Staatsmänner und Schauspieler, die hier im Keller ihre eigenen Fässer haben, so dass die Urlaubskasse ganz schön leiden muss. Den letzten Abend lassen wir bei Wein in der lebhaften Sarayan Straße ausklingen. Ganz zum Schluss darf natürlich auch ein Flachwitz zu Radio Jerewan nicht fehlen. Meine Generation mit einer bestimmten Geografie kennt sie noch, die Anfragen an den fiktiven Radiosender Jerewan, die immer positiv beantwortet wurden. Also... Frage an den Radiosender Jerewan: "Kann ich mit meinem Auto Lada mit 120 km/h durch eine enge Kurve fahren?", Antwort des Radiosenders Jerewan: "Im Prinzip ja, aber nur einmal".  

In der Wissensecke gibt es aufgrund der geschichtlichen Bedeutung ein paar Hintergründe zu einem der tragischsten und furchtbarsten Menschheitsverbrechen. Begonnen hat der Völkermord am 24. April 1915 mit der Verhaftung armenischer Intellektueller und Anführer im heutigen Istanbul zur Unterdrückung von Unabhängigkeitsbestrebungen. Die auf Reformen abzielenden und die eigene nationale Identität betonenden politischen Bestrebungen der Armenier wurden von der osmanischen Führung zunehmend als grundsätzliche Gegnerschaft empfunden. Somit veranlasste die sog. jungtürkische Regierung in der Folge Massaker und grausame Todesmärsche. Schätzungen der Opferzahlen liegen bei 0,3 bis 1,5 Mio. Toten. Mehr als 30 Staaten erkennen diese Taten als Völkermord an (in 2016 auch Deutschland). Unter anderen vor diesem Hintergrund leben heute von 10 Mio. Armeniern rund 7 Mio. im Ausland. Die letzten großen Bewegungen erfolgten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, da junge Leute ausgewandert sind und im Rahmen des Berg-Karabach-Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan, wo fast die gesamte armenische Bevölkerung vertrieben wurde. Trotz der schlimmen Geschichte gibt es Annäherungen zwischen Armenien und der Türkei, da Armenien nicht mehr auf eine Anerkennung des Genozids von 1915 durch die Türkei besteht. Somit könnte auch die seit Jahrzehnten geschlossene Grenze zwischen den Ländern geöffnet werden.

21. Tag: Es geht früh zum Flughafen Jerewan und nach 3 Wochen und 3 Ländern des Südkaukasus haben wir facettenreiche Länder erlebt. Lebendige Geschichte und Architektur an der ehemaligen Seidenstraße, unglaubliche Landschaften des Kaukasus, vielfältiges Religionsleben mit Licht und Schatten, sehr beeindruckende Hauptstädte,  tolle Guides, ein großartiges kulinarisches Erlebnis, den post-sowjetischen morbiden Charme und dieses ganz besondere Nachitschewan. Eine wirklich großartige Region.

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